Streit ums Politische: It’s capitalism, stupid!

Heiner Ganßmann: Auf dem Weg zur “marktkonformen” Demokratie?
–  29. Oktober 2012

Geld wird von Staaten gemacht. Der politische Souverän bürgt dafür, dass das, was auf dem Papier oder einer Münze geprägt steht, einen ökonomischen Wert hat. Als Schutz vor dem Missbrauch des staatlichen Geldmonopols wird aber immer wieder versucht, das Geldwesen aus seinem politischen Zusammenhang zu lösen und es als eine rein technische Angelegenheit zu behandeln. Für demokratische Gesellschaften heißt das, dass das Geldwesen dem demokratischen Zugriff entzogen werden soll. Euro und Europäische Zentralbank (EZB) stehen dabei in einer langen Reihe von Entpolitisierungsversuchen. Als eine supranationale Zentralbank hat die EZB einerseits den angeblich nur technischen Auftrag für Währungsstabilität zu sorgen, andererseits muss sie in der Krise politisch agieren, weil es nicht mehr um die Stabilität, sondern um die Existenz des Euro geht. 

Es stellt sich die Frage, warum die Trennung von Geld und Politik nicht gelingen kann. Geld hat einerseits keine Naturbasis, andererseits soll es praktisch wie eine physische Tatsache funktionieren. Monetäre Invarianz ist zwar eine Fiktion, aber sie trägt das wirtschaftliche Leben. Wir kalkulieren dauernd mit monetären Größen von denen wir im Grunde wissen, dass sie letztlich auf Konventionen beruhen.

Geld braucht, damit es funktioniert, Vertrauen, ob religiös, durch Naturkonstanz oder sonstwie gestiftet. Die Zuversicht, dass eine Kontenbewegung, die wir als Zahlung akzeptieren, auch von uns selbst wieder als Zahlungsmittel benutzt werden kann, ist keineswegs selbstverständlich. Sie entsteht oder vergeht mit dem Gefühl, dass wir sogar als Geldbenutzer Teil eines Gemeinwesens sind. Einem Witz zufolge ist die Inschrift auf dem Dollar: In God We Trust, als Druckfehler zustande gekommen. Es sollte heißen: In Gold We Trust. Das ist ein Hinweis auf den Kern des Problems.

Prof. em. Dr. Heiner Ganßmann, Professor für Soziologie an der Freien Universität Berlin bis 2009; lebt in Berlin und auf La Palma; seine Forschungsschwerpunkte sind Soziologische Theorie, Wirtschaftssoziologie, politische Ökonomie.

29. Oktober 2012
Beginn: 19.30 Uhr
Schaubühne am Lehniner Platz
Kurfürstendamm 153
10709 Berlin
Eintritt: 2,50 €, Ermäßigungsberechtigte frei

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